Woche 21 mit Endor: Wenn die Worte fehlen

Es soll Mütter geben, die immer wissen, was ihrem Baby fehlt, wenn es schreit. Mir geht es mit Endor nicht so. Ist er unzufrieden und jault, kann ich meist nur raten, was das Problem ist. Vielleicht liegt es daran, dass er adoptiert ist.

Endor jault und fiept, wenn ihm langweilig ist, wenn er aufs Klo muss, wenn er meine Aufmerksamkeit will, wenn er findet, er müsse jetzt belohnt werden, wenn er nicht mehr schlafen kann und wenn er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Die Geräusche, die er dann von sich gibt, unterscheiden sich zwar schon und einzelne kann ich recht treffsicher zuordnen; bei Weitem aber nicht alle.

Leider sind die Laute für «bitte beachte mich; jetzt sofort» und «ich muss wirklich dringend pinkeln» sehr ähnlich. Ersteres sollte man, wenn man keinen Terrorhund will, der den Menschen erzieht anstatt umgekehrt, ignorieren. Auf Letzteres muss man hingegen reagieren. Dem Tier zuliebe und um Umfälle zu verhindern. Ihr seht das Dilemma, oder?

Meine pragmatische Lösung: Regelmässige WC-Gänge, um die körperliche Bedürfnisse auszuschliessen, und dann das Gequengle über mich ergehen lassen. Leicht fällt mir das nicht. Denn Endor tut mir in diesen Momenten leid. Ich weiss aber, dass es langfristig in seinem Sinne ist, wenn er lernt, wie man Frust aushält, und deshalb notwendig ist.

Das sind die einfachen Situationen. Richtig schwierig fällt mir das Unvermögen miteinander zu kommunizieren dann, wenn sich der Hund anders als normal verhält, er mir aber nicht sagen kann, wieso. Wüsste ich es, könnte ich vielleicht etwas dagegen tun. Weiss ich es nicht – und dem ist leider meistens so –, bin ich genauso hilflos wie er und fühle mich zudem unzulänglich.

Eine Freundin hat mir vor Kurzem erzählt, wie viel einfacher alles geworden sei, seit ihr Sohn ihr sagen könne, was er wolle. Bei Endor wird dies nie der Fall sein. Denn er bleibt ein Hund und ich ein Mensch. Die Sprache des anderen werden wir nie vollständig verstehen. Es bleibt zu hoffen, dass ich durch die Erfahrung lerne, seine Laute noch etwas besser zu deuten. Noch wichtiger scheint mir aber zu akzeptieren, dass es Situationen, in denen etwas nicht gut ist, man aber nicht weiss was, immer wieder geben wird und man sie dann einfach gemeinsam durchstehen muss.