Woche 20 mit Endor: Der Hund, der Alltag und wir

Das Zusammenleben mit Endor wird jede Woche unkomplizierter. Das liegt einerseits an ihm, andererseits an uns. Der Hund wird ruhiger und wir haben in den letzten Wochen eine Aufgabenteilung gefunden, die zu uns passt.

Unser Vierbeiner ist immer noch ein Wirbelwind und das ist gut so. Die Intensität hat aber nachgelassen oder besser gesagt: Seine Energie lässt sich jetzt kanalisieren; ins Training und die gemeinsamen Spaziergänge in der Natur. Dadurch braucht er, wenn er einfach so wach ist, nicht mehr ununterbrochen Unterhaltung oder Betreuung, sondern kann auch einfach dabei sein, wenn wir Aufgaben im Haushalt erledigen. Anstatt stiften zu gehen, trottet er dann neben uns her oder – noch besser – er legt sich hin und beobachtet uns.

Durch die gewonnene Ruhe können wir neue Sachen mit ihm gemeinsam machen. Der erste Besuch bei meinen Eltern vor zwei Wochen meisterte er mit Bravour, auch wenn er beinahe unsere Hähnchen-Schenkel geklaut hätte. Das war aber nicht seine Schuld, sondern die meines Vaters, der sich nicht gewohnt ist, einen Welpen mit noch nicht ausgereiften Tischmanieren im Haus zu haben.

Noch wichtiger für uns, war aber eine andere Premiere: Der erste Ausflug in die Berge. Natürlich unternehmen wir mit Endor noch keine richtigen – vier- bis sechsstündigen – Wanderungen, aber immerhin reicht es jetzt für etwas längere Spaziergänge. Der heutige entlang des Panixersees war sogar richtig entspannt. Dank des fehlenden Sonnenscheins waren nur wenige Menschen und Hunde unterwegs, so dass wir unseren frei laufen lassen konnten. Seine Aufmerksamkeit war dabei die ganze Zeit bei uns und selbst durch die pfeifenden Murmeltiere liess er sich nicht ablenken. Ich vermute ja, dass es daran liegt, dass er noch gar nicht weiss, was ein Murmeltier ist und wie lecker diese schmecken. Ich spreche da aus Erfahrung.

Mindestens so entscheidend für unser entspannteres Miteinander ist auch die Entwicklung, die der Mann und ich in den letzten Wochen gemacht haben. Wir haben gelernt, bei der Hundeerziehung auf unsere Stärken zu setzen und eingesehen, dass wir Endor, Arbeit, Sport, gelegentliche Treffen mit Freunden und Schlaf (aufgezählt in der Reihenfolge der Wichtigkeit) besser in die täglichen 24 Stunden unterkriegen, wenn wir uns für gewisse Aufgaben aufteilen. Ich gehe jetzt meist früh vor der Arbeit mit dem Hund auf den Geländespaziergang, der Mann übernimmt dafür die Schnüffelrunde am Abend im Quartier.

Das entspricht unseren Tagesrhythmen und unseren Wesen. Der Mann ist der ruhigere von uns und überträgt seine Gelassenheit auf den Vierbeiner, wenn dieser vom Gewusel der Fussgänger, Fahrradfahrer und Müllwagen gestresst wird. Zudem verliert er, im Gegenteil zu mir, nicht die Geduld, wenn unser Spürhund sich mit der Nase irgendwo am Boden festsaugt, weil es da gerade speziell gut riecht. Im Wald hingegen, wo ich mit Endor aktiv arbeiten kann, kommen meine Stärken zum Einsatz. Einerseits meine Konsequenz, damit er die Kommandos sauber ausführt, andererseits mein Ideenreichtum, um ihn immer wieder mit neuen Herausforderungen zu überraschen.

Und auch bei den kleineren alltäglichen Aufgaben, hat sich unterdessen eine organische Arbeitsteilung ergeben, so dass wir nur noch selten darüber diskutieren müssen, wer jetzt gerade mit was dran ist. Auch das spart Zeit und Energie, die wir dann wieder für den Hund oder für uns einsetzen können.