Woche 16 mit Endor: Work-Dog-Life-Balance

Ein Hund nimmt viel Zeit in Anspruch. Ein Welpe noch mehr. Im Alltag das Gleichgewicht zu finden, damit weder Endor (erste Priorität), die Arbeit (zweite Priorität) noch ich auf der Strecke bleiben, fällt mir gegenwärtig nicht leicht.

Als Endor vor über drei Monaten bei uns einzog, rollte die erste Corona-Welle über die Schweiz. Geschäfte waren geschlossen, soziale Kontakte galt es zu vermeiden, Home-Office wurde verordnet und Überstunden sollten abgebaut werden. So blöd und egoistisch das klingt, aber für den Mann und mich war diese Situation ideal. Dadurch dass vieles nicht mehr möglich war, hatten wir umso mehr Zeit, uns in unserem neuen Alltag mit Hund zurechtzufinden.

Auch wenn man bereits von einer möglichen zweiten Welle spricht, das Leben hat in den letzten Wochen wieder Fahrt aufgenommen. Einerseits bin ich froh darüber, denn ich habe meine Familie, meine Freunde und auch meine Kollegen vermisst. Andererseits fällt es mir schwer, die Ansprüche meiner Arbeit, meine Erwartungen an mich als Hundehalterin und mein kleines, aber trotzdem vorhandenes Bedürfnis nach Freizeit ohne Hund zu vereinbaren. Diese Woche habe ich diese Zerrissenheit zum ersten Mal so richtig gespürt.

Damit ich genügend Zeit für Endor habe, habe ich mein Arbeitspensum reduziert. Seit April arbeite ich statt 100 nur noch 85 Prozent. Das dies möglich ist, ist ein Privileg, das ich sehr schätze. Es bringt mir aber nur dann etwas, wenn ich es schaffe, es auch in Anspruch zu nehmen. Und daran bin ich die letzten zwei Wochen, als auf Arbeit wieder mehr Aufgaben anstanden, gescheitert. Meine Work-Life-Balance war noch nie ausgewogen, sondern lehnte in der Vergangenheit immer in Richtung Job. Kollidierten meine privaten Bedürfnisse, mit denen meiner Organisation, priorisierte ich häufig Letztere höher. Nicht weil ich gezwungen wurde, sondern weil ich es richtig fand.

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Das ist jetzt anders. Denn meine Freizeit gehört nicht mehr mir allein. Arbeite ich mehr, habe ich weniger Zeit für und manchmal auch weniger Geduld mit Endor. Nachdem ich diese Woche mehrere Tage am Stück zu viel arbeitete und zu wenig schlief, war ich übermüdet und gereizt. Entweder hatte Endor am Freitag auch einen schlechten Tag oder ich habe meine Stimmung auf ihn übertragen, das Resultat war jedenfalls ein ziemlich verknorzter Morgen. Noch selten war ich so froh, als der Mann am Mittag heimkam und den Hund übernahm.

Ganz vermeiden lassen, werden sich solche Situation auch in Zukunft nicht, da ich nicht für permanent gute Laune sorgen und nicht jegliche ausserordentliche Arbeitseinsätze verhindern kann. Deshalb gilt es wohl zu akzeptieren, dass es schlechte Tage mit Endor geben darf. Gleichzeitig muss ich aber auch lernen, auf Arbeit für meine und die Bedürfnisse meines Hunds einzustehen. Wie das geht, weiss ich in der Theorie. Wie man es aber in der Praxis schafft, häufiger Nein zu sagen, Aufgaben weniger genau zu erledigen und Termine im Notfall auch mal nicht einzuhalten, entzieht sich meiner Kenntnis. Noch. Denn ich bin durchaus lernfähig.