Woche 15 mit Endor: Wie ich auf den Hund kam

Einen Hund wünsche ich mir, seit ich klein bin. Aus sehr verständlichen Gründen waren meine Eltern damals dagegen. Bis ich mir diesen Traum selber erfüllte, dauerte es weitere 14 Jahre. Die Geduld hat sich gelohnt. Endor trat genau zum richtigen Zeitpunkt in mein, in unser Leben.

Mindestens einmal pro Woche erwische ich mich dabei, wie ich Endor verliebt anschaue und denke: «Wie verrückt ist das denn: Wir haben wirklich einen Hund.» Ja, manchmal fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass mein Wunsch, einen Hund zu haben, in Erfüllung gegangen ist. Denn diesen hege ich schon mein ganzes Leben lang.

Als ich ein Kind war, waren meine Eltern dagegen. Ihr Argument: Die Arbeit würde an ihnen hängen bleiben. Auch wenn ich das damals nicht einsah, heute weiss ich, sie hätten recht behalten. Ein Kind kann nicht die Verantwortung für einen Welpen übernehmen. Die ersten Wochen mit Endor haben meinen Mann und mich, zu zweit und als Erwachsene, schon ordentlich gefordert. Allein und als Siebenjährige oder auch als Dreizehnjährige? Keine Chance. Aus Mangel an Alternativen nahm ich dann mit unseren Katzen vorlieb. Und diese liebte ich innig. Auch wenn meine Versuche, ihnen Kunststücke beizubringen, scheiterten.

Als ich Zuhause auszog, stand erst das Studium, später der Einstieg ins Berufsleben an. Gleichzeitig entdecke ich erst allein, später gemeinsam mit dem Mann, der damals noch der Freund war, das Reisen. Wir überlegten nicht ob, sondern nur wohin wir zweimal im Jahr flogen. Ab und zu redeten wir darüber, dass wir beide gerne einen Hund hätten. Irgendwann. Denn wir waren uns einig: In unser damaliges Leben mit 100- bis 120-Prozent-Arbeitspensen und den Urlauben in Übersee hätte keiner gepasst. Zudem wäre für uns, wie wahrscheinlich für jedes zweite junge Paar, auch ein längerer Auslandsaufenthalt nicht ausgeschlossen gewesen. Also hielt ich stattdessen Hamster. Eine Verpflichtung von zwei Jahren – so lange leben die kleinen Nager etwa – war machbar.

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Vor vier Jahren zogen der Mann und ich statt ins Ausland, einmal quer durch die Schweiz; von Zürich nach Chur. In der, von Bergen umgebenen, Kleinstadt fühlten wir uns von Anfang wohl, ja Zuhause. Der Zeitpunkt für einen Hund war aber immer noch nicht gekommen. Denn wir arbeiteten und reisten weiterhin viel. Das ging gut und machte Spass. Das zu ändern, damit ein Hund in unser Leben passte, waren wir nicht bereit. Bis letzten Frühling.

Aufgrund einer Kündigung sollte ich auf einmal drei Monate lang zwei Jobs gleichzeitig machen. Und das obwohl meine eigentliche Tätigkeit ein 100-Prozent-Pensum schon sprengt. Ich versuchte es trotzdem und stiess zum ersten Mal an meine Belastungsgrenze. Weil es nicht zu schaffen, keine Option war, machte ich einfach weiter – bis mein Körper reagierte. Mit Sehnenscheidenentzündungen in beiden Armen, mit denen ich bis heute kämpfe.

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Eine gute Konsequenz hatten die drei Monaten aber: Sie heisst Endor und schnarcht neben mir, während ich diesen Text schreibe. Denn in der Zeit, in der ich notgedrungen mein Privatleben pausierte, realisierte ich, dass ich meinen Job zwar liebe, er mich allein aber nicht erfüllte. Auf der Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit, stiess ich auf REDOG, dem Schweizerischen Verein für Such- und Rettungshunde. Der Entscheid, dass diese Freiwilligenarbeit die richtige für mich ist und ich deshalb unser Leben auf den Kopf stellen will, damit ein Hund darin Platz hat, war schnell gefällt. Zu meiner grossen Überraschung war der Mann, als ich ihm meinen Plan eröffnete, nicht dagegen, sondern mit grosser Begeisterung dabei.

Das war letzten April. Elf Monate später zog Endor bei uns ein. Diesen Herbst werden wir das erste Mal seit zehn Jahren nicht ins Ausland fliegen. Stattdessen fahren wir für eine Woche an den Brienzersee im Berner Oberland. Ich habe mich noch selten so auf einen Urlaub gefreut, wie auf diesen, den wir zu dritt verbringen werden.