Surfbretter am Old Man's Beach

Zwei Wochen Surfen auf Bali: Der Kampf mit den Wellen und mit mir

Wer sagt, Surfen sei einfach, der lügt. Oder noch schlimmer: der ist ein Bewegungstalent. Ich bin es nicht. Und verdammt, habe ich gekämpft – mit den Wellen, mit dem Surfbrett und am meisten mit mir selbst. Denn schwerer als Surfen ist nur etwas zu lernen, in dem die eigenen Fortschritte geringer sind als die der anderen. Zumindest für mich. Ich verwöhntes Kind bin mir das nicht gewohnt, da meinem Kopf Neues leichtfällt.

Gerade deshalb war das Surfcamp auf Bali eine gute Lektion. Vor allem in Sachen Geduld. Aber: Nach einer Stunde paddeln – und paddeln ist als Anfänger nicht so leicht, wie es die Profis aussehen lassen –, ohne auf dem Brett zu stehen, vergass ich das jeweils. Und wenn sich dann vor mir auch noch eine Welle auftürmte bis sie brach und ich wusste, jetzt schluck ich Salzwasser, hatten nur noch zwei Gedanken Platz in meinem Kopf: Scheisse – entschuldigt den Kraftausdruck, ich bin hier nur ehrlich – und wieso tu ich mir das an. In meinem Urlaub.

Canggu

Trotz der Tiefpunkte – davon gab es etwa drei –, an den meisten Tagen hat das Surfen Spass gemacht. Wirklich. Denn ich liebe Wasser, ich liebe das Meer und wenn ich ehrlich bin, liebe ich es auch, an meine körperlichen Grenzen zu stossen. Zumindest im Nachhinein.

Der Grund, wieso ich aber jeden Tag aufs Neue aufs Meer hinaus gepaddelt bin, war ein anderer. Es war dieses irrsinnige Glücksgefühl, das einem erfüllt, wenn man auf einmal doch auf seinem Brett steht und von der Welle getragen wird. Dann sind die bleischweren Arme, die verbrannten Beine und die vielen blauen Flecken vergessen. In dem Moment ist es auch egal, dass die zehn vorherigen Versuche nicht geklappt haben. Und man ist bereit, nochmals zehn auf sich zu nehmen, nur um es ein weiteres Mal zu erleben.

Reisfelder in der Nähe von Canggu

Vier Abschnitte übers Surfen und kein Wort über Bali? Ja, vom Land habe ich nicht viel gesehen. Das Motto des Camps «Eat, Sleep, Surf» habe ich gelebt. Nicht aus Überzeugung, sondern weil mir nach zwei mal zwei Stunden im Wasser, schlicht die Lust und Energie fehlte, noch viel zu unternehmen. Für Spaziergänge in Canggu, dem Ort, wo ich die zwei Wochen gelebt habe, reichte es an den meisten Tagen. Manchmal endeten aber auch diese rasch in meiner Lieblingspatisserie «Mr. Spoon». Denn dort gab es im Gegensatz zum Camp guten Kaffee.

Weiter weg habe ich es nur dreimal geschafft. Mein längster Ausflug war der ins Landesinnere, nach Ubud. Ich hatte eine Surfkrise, habe die zweite Session am Nachmittag sausen gelassen, einen Roller ausgeliehen und bin losgefahren. Alleine. Unterwegs zu sein tat gut. Das Gewusel in der Stadt hat mich aber überfordert. Denn selbst an Land waren meine Gedanken nur bei den Wellen.

Crate in Canggu

Ob ich nochmals in ein Surfcamp fahren werden? Auf jeden Fall. Es ist zwar eine andere Art von Urlaub – meist unternehme ich mit meinem Partner zusammen Roadtrips, um Länder zu entdecken –, aber eine, die mir auch zusagt. Denn der Alltag ist bei der ersten Surflektion vergessen, am Poolrand entstehen schnell neue Freundschaften und beim Kampf mit den Wellen steigert sich die eigene Frustrationstoleranz. «Eat, Sleep, Surf» auf ein Neues.

Aber erst werde ich auf einem Schweizer See das Paddeln üben.

Monkey Forest Ubud

Kaffee bei Mr. Spoon

Strassenleben in Canggu

Sonnenuntergang am Old Man's Beach

Reisfelder in Canggu

Echo Beach in Canggu

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