Woche-18

Woche 9 mit Endor: Der Welpe und das Virus

Am 14. März zog Endor bei uns ein. Zwei Tage später verkündete der Schweizer Bundesrat wegen des Corona-Virus die «ausserordentliche Lage» und liess Restaurants, Läden, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetrieb schliessen. Im Gegensatz zu allen anderen waren wir darauf vorbereitet, dass sich unser Alltag verändern würde. Wir hatten nur mit einem anderen Grund gerechnet.

Am Abend, bevor wir nach Deutschland fuhren, um unseren Welpen abzuholen, besuchten der Mann und ich meine Eltern. Nach dem Essen äusserte ich meine Befürchtung, dass Österreich die Grenzen schliessen könnten und wir dadurch einen Umweg nach Wolfsburg, dem Wohnort unseres Züchters, fahren müssten. Ich wurde ausgelacht. Vom Mann und von meinem Vater. Das werde nicht passieren, meinten sie unisono. Drei Tag später, einen Tag nachdem wir mit Endor zuhause angekommen waren, kündete nicht nur Österreich, sondern auch Deutschland an, dass sie ihre Grenzen zumachen.


Dadurch, dass beide Ereignisse – zumindest in einem spürbaren Ausmass – zeitgleich ihren Anfang nahmen, wird die Corona-Krise für mich immer eng mit Endor verbunden sein. Und ich bin überzeugt: Für seinen Einzug hätte es keinen besseren Zeitpunkt geben können.

In den ersten Wochen, als sich die Ereignisse überschlugen und es in der «Tagesschau» kein anderes Thema als das Virus gab, war ich davon absorbiert, in meine neue Rolle als Hundehalterin hineinzuwachsen. Natürlich beschäftigte mich die Corona-Krise. Aber in einem kleineren Ausmass. Mehr Sorgen als die Welt machten mir die Beissattacken unseres neuen Mitbewohners. Seine Zähne hat Endor unterdessen meistens im Griff, meine Prioritäten haben sich dadurch aber nicht geändert: An erster Stelle steht er, alles andere kommt nachher.

Ab und zu, wenn es sich anbot, einige Stunden von Zuhause aus zu arbeiten, fand ich schon immer in Ordnung. Einfach so Home-Office zu machen, wäre mir aber nie in den Sinn gekommen. Und ich glaube, ohne den Hund wäre mir diese Veränderung sehr schwergefallen. Mit ihm war sie hingegen das grösste Geschenk. Seit seinem Einzug und bis voraussichtlich Ende Monat muss und darf ich vollständig aus den eigenen vier Wänden arbeiten. Den ganzen Tag mit ihm zu verbringen, finde ich grossartig und längere Pausen zu machen, um zu trainieren, tut nicht nur ihm, sondern auch mir gut.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich in den letzten Wochen vermisst habe und fast die ganze Zeit zuhause zu sein und keine Pausen von Mann und Hund zu haben, ist nicht immer einfach. Nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass für mich die Einschränkungen leichter zu ertragen waren – die meisten wurden diese Woche aufgehoben – als für andere. Das mag daran liegen, dass ich meine Abende schon lange nicht mehr in Bars verbringen, ich sowieso lieber online shoppe und der Mann und ich krisenresistente Jobs haben.

Vielleicht ist der Grund aber auch ein anderer: Im Gegensatz zum Rest der Welt wussten wir, dass sich Mitte März unser Leben komplett ändern würde. Nicht wegen des Virus, sondern wegen des Hundes. Von unserem bisherigen Alltag hatten wir also sowieso schon Abschied genommen. Durch die Corona-Krise fielen die Veränderungen einfach etwas stärker aus. Einen grossen Unterschied machte das aber auch nicht mehr.