Woche 8 mit Endor: Einmal Streber immer Streber

Morgen geht es für uns zum ersten Mal in die Hundeschule. Ich freue mich darauf und bin überzeugt: Von unserer Trainerin können wir viel lernen. Gleichzeitig bin ich ein bisschen nervös. Denn es ist das erste Mal, dass eine Fachfrau unseren Umgang mit Endor beobachtet und wir uns mit anderen Hundehaltern vergleichen können.

Ich bin eine Streberin. Das war ich als Kind schon und das bin ich heute noch. Eine gute, nein, eine überdurchschnittliche Leistung zu erbringen, ist mir wichtig. Und zwar in allen Belangen: Backe ich Kekse, will ich, dass sie aussehen wie aus der Konditorei. Lade ich Freunde zum Essen ein, spiele ich «das perfekte Dinner». Bastle ich Grusskarten, sollen sie bitteschön perfekt werden. Von Arbeit ganz zu schweigen.

Dass ich mir mit dieser Einstellung oft selbst im Weg stehe, weiss ich. Ich habe es häufig genug erlebt, da ich seit bald dreissig Jahren mit ihr lebe. Und ja, manchmal wäre ich froh, könnte ich einfach «ds Füfi grad la sy», wie wir Schweizer sagen, und ich arbeite daran, dass mir das häufiger gelingt. Aber nur weil man etwas will, passiert es halt nicht über Nacht.

Es erstaunt deshalb sicher wenig, dass ich auch die Sache mit der Hundeerziehung gut machen will. Corona-bedingt haben wir sein Training bisher in Eigenregie nach Fachbüchern, YouTube-Videos und Bauchgefühl gestaltet. Mein eigener Eindruck ist, dass wir auf einem guten Weg sind: Endor hat schon einiges gelernt und wir können das meiste auch bei kleiner bis mittleren Ablenkung abrufen. Klar gibt es noch Momente, in denen er auf Durchzug stellt, aber sie werden bei den Grundkommandos und beim Rückruf – Letzeres ist uns besonders wichtig – immer seltener.

Morgen werden bei uns die Einschränkungen gelockert, Hundetrainer dürfen wieder unterrichten und für uns geht es zum ersten Mal in die Hundeschule. Das fühlt sich ein bisschen wie eine Prüfung an, da es das erste Mal ist, dass wir von einem Profi Rückmeldung zu unserem Umgang mit Endor erhalten werden. Natürlich wünsche ich mir, dass es vor allem Lob ist. Denn seit Endor bei uns lebt, trainieren wir fleissig mit ihm und er hat in unseren Augen grosse Fortschritte gemacht.

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Gleichzeitig bin ich gespannt, wie er sich im Vergleich mit den anderen Hunden schlagen wird. Können die anderen mehr Kommandos? Folgen sie besser? Hören sie mehr auf ihre Menschen?

Ertappe ich mich mit diesen Gedanken, versuche ich, sie möglichst schnell wieder zu vergessen. Denn eigentlich weiss ich ja: Was die anderen können, ist irrelevant. Wichtig ist, dass unser Hund und wir mit jeder Woche besser miteinander funktionieren. Zudem ist die einzige – leider negative – Folge dieser Gedanke, dass ich mich und dadurch Endor unter Druck setze. Die Konsequenz: Unter Druck wird unsere Zusammenarbeit schlechter funktionieren, wodurch ich mir und ihm noch mehr Druck aufsetzen werde. Eine Abwärtsspirale.

Mein Ziel für morgen ist deshalb, mich ganz auf mich und unseren Hund zu konzentrieren. Und zwar nicht darauf, zeigen zu wollen, was er schon kann, sondern darauf, was ich für unser Training aus dem Unterricht mitnehmen kann. Dass mir das schwer fallen wird, weiss ich jetzt schon. Probieren will ich es trotzdem. Endor zuliebe und mir zuliebe.

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