Woche 7 mit Endor: Zwischenstand

Managern gibt man 100 Tage im Job, um erste Erfolge vorzuweisen. Wir – der Hund, der Mann und ich – können das schon nach 50 Tagen. So lange lebt unser lernfähige Welpe Endor jetzt bei uns.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich am ersten Tag mit Endor gefühlt habe: unfähig, inadäquat und überfordert. Ich hatte keine Ahnung, was mein Welpe von mir wollte und ob das, was ich tat, auch das Richtige war. Heute, sieben Wochen später, empfinde ich nicht mehr so. Der Verantwortung für Endor zu sorgen, fühle ich mich gewachsen. Das heisst nicht, dass die Angst, etwas falsch zu machen, weg wäre. Sie kommt aber immer seltener zu Besuch. Meistens dann, wenn unserem roten Wirbelwind eine neue Methode einfällt, um unsere Grenzen zu testen – und Ideen dafür hat er mehr als genug. Aktueller Favorit: Wildes Anspringen beim Ausziehen des Geschirrs. In diesen Momenten bin ich frustriert und es nervt mich, dass ich nicht weiss, wie ich am besten auf sein Verhalten reagieren soll.

Die meiste Zeit – ich würde sagen mindestens 90 Prozent – bin ich von unserem Hund aber begeistert. Insbesondere dann, wenn ich mit ihm trainiere und feststelle, wie viel er in der kurzen Zeit gelernt hat: von Sitz über Platz bis Bleiben, auf Kommando in die Box gehen, kurze Strecken ohne Zerren an der Leine laufen und in der Wohnung den Futterbeutel, Bälle und andere Spielzeuge apportieren. Klappt etwas Neues zum ersten Mal oder etwas Altes besonders gut, könnte ich jedesmal vor Stolz platzen.

Mindestens so wichtig: Wir haben einen gemeinsamen Tagesrhythmus gefunden. Mit Schlaf- und Wachphasen für ihn und Arbeits- und Pausenphasen für mich. Dieser ist so stabil, dass ich sogar meine Telefonkonferenzen – ich arbeite wie viele im Homeoffice – danach planen kann. Und geht der Zeitplan mal nicht auf, schafft er es, sich eine halbe Stunde ruhig und mit viel Inbrunst mit einem Kauknochen zu beschäftigen. Ausser wenn er pinkeln muss. Dann hat er natürlich Priorität und ich habe mich auch schon mit dieser Entschuldigung aus virtuellen Sitzungen verabschiedet. Zum Glück habe ich verständnisvolle Kollegen.

Wenn wir schon beim Thema – und es ist für frischgebackene Hundehalter ein wichtiges – sind: Stubenrein ist Endor schon länger. Die Unfälle im letzen Monat können wir an einer Hand abzählen. Und an allen waren wir selber schuld, weil wir zu lange rumgetrödelt haben, bis wir rausgegangen sind. Und es kommt noch besser: Seit etwa einer Woche braucht er in der Nacht keine WC-Ausflüge mehr. Das ist für uns eine gewaltige Erleichterung. Denn mit mehr Schlaf ist auch das, was noch nicht optimal läuft, weniger schlimm. Zum Beispiel wenn er wieder einmal auf Durchzug stellt, weil um ihn herum gerade zu viel passiert. Oder er an der Leine zieht, weil die Mieze des Nachbars so spannend ist. Oder aufs Bett hochspringt, wo er nicht hingehört.

Ja, die Arbeit wird uns noch nicht so schnell ausgehen. Aber das ist in Ordnung. Wenn ich sehe, wie weit wir in den ersten 50 Tagen gekommen sind, bin ich zuversichtlich, dass wir diese Themen auch noch in den Griff kriegen werden. Und damit es spannend bleibt, wird sich Endor bestimmt auch in Zukunft weitere Flausen und Herausforderungen für uns einfallen lassen.