Endor

Woche 6 mit Endor: Du oder ich?

In einem sind mein Mann und ich uns einig: Wir lieben Endor abgöttisch. Wenn es aber um Erziehungsfragen geht oder darum, wer an der Reihe ist, mit ihm raus zu gehen, sind wir nicht immer gleicher Meinung.

Erzähle ich meiner Mutter über meinen neuen Alltag mit Welpe, höre ich sie manchmal schmunzeln. Nicht selten fügt sie dann an: «Das war damals bei mir genauso, als du noch klein warst.» Und ich glaube, sie hat Recht. Frischgebackene Hundehalter und frischgebackene Eltern haben einiges gemeinsam: Der wenige Schlaf, die Begeisterung über die kleinsten Lernerfolge – «Stell dir vor, er stand heute mit allen vier Pfoten im Wasser» – und der neue Tagesrhythmus, der sich nach den Schlafphasen des zwei- oder vierbeinigen Babys richtet.

Und wie ein Kind wirkt sich ein Welpe auf die Paarbeziehung aus. Auch wenn der pelzige Familienzuwachs meine Idee war, war von Anfang an klar: Endor wird nicht mein, sondern unser Hund. Der Gedanke stimmte mich damals, bevor unser roter Wirbelwind einzog, skeptisch. Gemeinsam die Verantwortung für ein Lebewesen zu tragen, war mir nicht geheuer. Ich dachte sogar, dass es alleine einfacher wäre, da man dann nicht die Fehler des anderen geradebiegen muss.

Wie sehr ich mich geirrt hatte, realisierte ich nach den ersten Tagen: Ein Welpe nimmt viel Zeit in Anspruch und man ist gottenfroh, wenn man sich abwechslend um ihn kümmern kann. Denn es bedeutet, dass man vier- statt achtmal am Tag mit ihm nach draussen muss und dass man jede zweite Nacht durchschlafen kann. Es bedeutet, dass man joggen gehen und – wenn nicht gerade wegen dem Corona-Virus eine Ausnahmesituation herrschen würde – eine Freundin treffen kann. Es bedeutet, dass einem jemand versteht, wenn man frustriert ist, weil der Hund einen Aussetzer hat und wenn man vor Stolz platzen könnte, weil er etwas Neues gelernt hat.

Es bedeutet aber auch, dass man vieles Aushandeln muss. Geht es um Endors Erziehung, fällt es dem Mann und mir meist leicht, da wir eine ähnliche Grundhaltung vertreten. Ich schätze es sogar, dass wir unsere Methoden gemeinsam reflektieren und gegen neue Flausen unseres kleinen Monsters zusammen Lösungsansätze erarbeiten können. Klar, über die Hinweise meines Mannes, wenn ich etwas falsch, also anders als abgesprochen mache, freue ich mich nicht. Sie helfen aber.

Was uns schwerer fällt, ist die Arbeitsteilung. Insbesondere deshalb, weil wir aufgrund der aktuellen Siutation ein sehr klassisches Modell leben. Will heissen: Ich arbeite zurzeit weniger und bin vollständig im Homeoffice, während mein Mann ins Büro muss und dort auch nicht früher loskommt. Das Resultat: Unter dem Tag kümmere ich mich neben der Arbeit um Endor. Abends, wenn der Mann zuhause ist, kümmere ich mich um den Haushalt, damit er und der Hund möglichst viel Zeit miteinander verbringen können. Das war nicht so geplant und das hat sich mein Mann nicht so ausgesucht. Einfacher macht es die Situation aber nicht und deshalb gibt es ab und zu Diskussionen. Nicht nur darüber, wer dran ist, in der Nacht mit Endor rauszugehen, sondern auch darüber, wer dran ist, die Geschirrspühlmaschine auszuräumen.

Denn Zeit ist wie Schlaf mit einem Welpe im Haus ein rares Gut. Umso mehr schätze ich es, dass mein Mann mir täglich eine Stunde Sport ermöglicht. Die tut nicht nur mir, sondern auch ihm gut. Ohne die Möglichkeit, mich körperlich auszupowern, hätten wir bestimmt mehr Diskussionen. Und wahrscheinlich würden diese dann auch weniger glimpflich verlaufen.

An dieser Stelle ziehe ich meinen Hut vor allen Hundhalterinnen und Hundehalter, welche die Welpenzeit alleine überstehen. Ich weiss nicht, ob ich das packen würde. Respekt.