Woche13

Woche 4 mit Endor: Die Ratschläge der anderen

Es gibt tausende Bücher über Hundeerziehung und noch mehr Videos von Hundetrainern auf Youtube. Und als ob dies nicht genug wäre: Auch jeder Hundehalter hat noch einen guten Tipp auf Lager.

Einen Welpen zu erziehen, ist nicht leicht. Und dass es gleich viele Erziehungsmethoden wie Hundehalter gibt, macht es nicht besser. Zudem will jeder von ihnen mit vermeintlich guten Ratschlägen helfen. Ob man danach gefragt hat oder nicht; irrelevant. Ob sie deinen Hund kennen oder nicht; irrelevant.

Natürlich sind nicht alle Tipps schlecht. Derjenige einer Besitzerin eines anderen Welpens vom gleichen Züchter war sogar ausgesprochen hilfreich. Sie empfahl uns, einen Laufstall für unser kleines Monster einzurichten, so dass wir uns entziehen können, wenn er Beissanfälle hat. Und die hatte er damals mehrmals täglich. Also eigentlich immer, wenn er wach war. Das Prinzip «Wenn du so tust, will ich nicht mit dir spielen» leuchtete uns ein und bewährte sich nach wenigen Tagen.

Andere Tipps, oder was sie mit einem machen, können aber auch mehr schaden als helfen. So erging es mir, als mir gesagt wurde, Endor schlafe abends schlecht ein, weil ich ihn am Tag mit zu vielen Reizen überfordere. Aus Angst ihn zu überdrehen, getraute ich mich fortan nicht mehr, länger als ein paar Minuten mit ihm zu trainieren oder zu spielen. Eingeschlafen ist er dadurch nicht besser. Das einzige Resultat: Jedes Mal, wenn er wach war, war ich gestresst: Denn er wollte spielen und ich wollte ihn beruhigen; erfolglos. Nach ein paar Tagen sah ich ein, dass dies nichts brachte. Ich lernte zu akzeptierten, dass mein Welpe manchmal am Abend halt einfach etwa länger zum Einschlafen braucht – so what? Dadurch, dass ich mich entspannte und ihm mehr Möglichkeiten bot, seine Energie abzubauen, wurde es sogar besser. Meistens zumindest.

Was ich mit diesen sehr unterschiedlichen Beispielen sagen will? Tipps von erfahreneren Hundehalter, aus Ratgebern oder Videos können hilfreich sein. Müssen sie aber nicht.

Wir haben in diesen ersten vier Wochen deshalb gelernt, auf unser Bauchgefühl zu hören und, noch wichtiger, unseren Umgang mit dem Hund immer und immer wieder zu reflektieren und zu hinterfragen. Denn Fehler gehören dazu. Und solange man sie erkennt und korrigiert, halb so wild. Hunde sind zum Glück grossartig darin, einem ehrliches Feedback zu geben. Mit offenen Augen und manchmal Ohren – ja, Endor kann schon lautstark Fiepen – merkt man schnell, ob etwas funktioniert oder nicht. So zumindest meine Erfahrung.