Woche 12

Woche 3 mit Endor: Alles ist anders

Endor hat meinen Alltag, meine Gewohnheiten und meine Prioritäten auf den Kopf gestellt. So, wie ich mir das erhofft habe. Und noch ein bisschen mehr.

Es gibt viele Gründe, wieso man sich für einen Hund entscheidet. Zwei von meinen waren, dass ich die Prioritäten in meinem Leben neu ordnen und etwas machen wollte, das sinnstiftend ist: Wenn alles gut kommt, werden Endor und ich eines Tages im Gelände nach Vermissten suchen. So zumindest der Plan. Stellt sich heraus, dass ihm dies nicht entspricht, werden wir eine andere Beschäftigung finden, die uns beiden Spass macht.

Meine Prioritäten über den Haufen zu werfen, das hat er schon nach drei Wochen geschafft. Denn an erster Stelle steht jetzt er; diskussionslos. Das heisst nicht, dass ich ihm jeden Wunsch von den Augen ablese, auch wenn er den Hundeblick gut draufhat. Ganz im Gegenteil. Es heisst aber, dass meine grösste und wichtigste Aufgabe jetzt ist, aus diesem kleinen Geschöpf einen ausgeglichenen und gut erzogenen Hund zu machen. Ein grosses Unterfangen, das so manch anderes Alltagsproblem in den Hintergrund stellt.

Da dieses Unterfangen gleichzeitig zeitintensiv ist, stört es mich auch nicht, auf Arbeit länger wie ursprünglich geplant kürzer zu treten. Diese Auswirkung der Coronakrise auf meinen Alltag – ich arbeite in der Tourismusbranche – sehe ich sogar als ein Geschenk. Und genügend Überstunde zum Abbauen habe ich sowieso. Ohne Endor hätte ich es wohl trotzdem anders gesehen und mich gefragt, was ich mit der zusätzlichen freien Zeit anfangen soll.

In meinem neuen Alltag bin ich über jede zusätzliche Minute froh. Um Zeit mit Endor zu verbringen und um zwischendurch auch einmal einen Moment für mich oder einen Moment für meinen Mann und mich zu haben. Denn die Tage scheinen kürzer als früher und ehe ich mich versehe ist jeweils schon wieder Schlafenszeit; für die Fellnase und für mich.