Woche 13 mit Endor: Nähe und Distanz

Ich liebe meinen Hund, ich liebe es, mit ihm Zeit zu verbringen und ich liebe meine neue Rolle als Hundehalterin. Nichtsdestotrotz tut es mir gut, zwischendurch von ihm und von meiner neuen Aufgabe eine Pause zu haben.

Die Corona-Krise hat so manche Pläne durchkreuzt. So auch denjenigen vom Mann und mir für die ersten Monate mit Endor. Geplant war, dass wir jeden Tag zur Hälfte von Zuhause und zur Hälfte im Büro arbeiten. So wäre unser Welpe nie alleine gewesen, wir hätten unsere Kollegen aber trotzdem täglich gesehen. Dann kam das Virus und ich wurde pünktlich zu Endors Einzug – im Gegensatz zum Mann – ins Home-Office geschickt. Gleichzeitig galt es, die Mobilität in der Freizeit auf ein Minimum zu reduzieren. Besuche bei Freunden und Ausflüge in andere Städte waren also erstmal gestrichen. Das Resultat: Ich kann bis heute an zwei Händen abzählen, wann ich länger, als eine Stunde weg von unserem vierbeinigen Familienmitglied war.

Dass ich in diesen ersten prägenden Monaten so viel Zeit mit Endor verbringen konnte, ist ein grosses Geschenk und wohl etwas vom wenigen Positiven an der Corona-Krise. Müsste ich zwischen unserem ursprünglichen Plan und der Situation, die sich ergeben hat, wählen, würde ich mich, ohne zu zögern, für das Zweite entscheiden.

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Welpen sind aber, wie Menschenbabys, sehr vereinnahmend – die ersten Tage konnte ich noch nicht einmal aufs Klo gehen, ohne das meiner Zetermordio schrie – und so schön so viel gemeinsame Zeit ist, sie verbraucht einem auch; zumindest mich. Zu akzeptieren, dass jemand anderes so viel Macht über mich hat, fiel mir schwer. Damit meine ich nicht, dass ich Endor jeden Wunsch erfülle. Ganz im Gegenteil. Die Regeln stelle ich, stellen wir auf. Ist er von ihnen nicht begeistert, lässt er uns das lautstark wissen. Das ändert zwar nichts an den Regeln, seinen Protest halte ich an meinen weniger guten Tagen aber schlecht aus. Und das obwohl ich weiss, dass ich in seinem Sinne handle. Denn er muss Grenzen erfahren und lernen Frust auszuhalten. Nur weil es richtig ist, heisst aber nicht, dass es leicht ist.

Deshalb brauche ich manchmal Pausen; von Endor und von meiner neuen Rolle als Hundehalterin, die ich übrigens genauso wie das Tier selber liebe. Ich brauche Stunden, in denen ich einfach nur «ich» sein kann und meine Bedürfnisse an erster Stelle stehen. Stunden, in denen ich mich ganz auf einen anderen Menschen einlassen kann und nicht mit einem Auge und einem Ohr schaue und höre, wo der kleine Vierbeiner gerade ist, was er gerade tut und ob er auch nicht das Sofa auseinandernimmt.

Zum Glück gelten in der Schweiz seit Mai wieder weniger strenge Corona-Massnahme, so dass ich in den letzten Wochen zwei Abende mit Freunden, anstatt mit Mann und Hund verbringen konnte. Das tat gut. Und ich habe kein schlechtes Gewissen das zuzugeben.

Als ich diesen Freitag etwas länger wegblieb und Mann und Hund schliefen, als ich heimkam, ärgerte mich das sehr. Zu gerne, hätte ich dem Kleinen noch gute Nacht gesagt. Zu viel Distanz für zu lange, halte ich nämlich auch nicht gut aus.