Woche 12 mit Endor: Nette Nachbarn und mühsame Hundehalter

Der Mann und ich wohnen seit vier Jahren in derselben Wohnung. Unsere Nachbarn haben wir aber erst in den letzten drei Monaten kennengelernt. Dank Endor. Ist er dabei, führt das meist zu netten Begegnungen. Leider nicht immer.

Als der Mann und ich beschlossen haben, dass wir einen Hund wollen, wussten wir, dass sich unser Leben grundlegend verändern würde. Das Ausmass haben wir aber unterschätzt. Endor hat auf Aspekte unseres Alltags Auswirkungen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Zum Beispiel, dass wir im Treppenhaus auf einmal mit unseren Nachbarn ins Gespräch kommen. Mit dem älteren Herrn aus dem obersten Stock, der uns bisher nur knapp grüsste, führte mein Mann vor Kurzem ein längeres Gespräch. Denn er und seine Frau hatten früher auch Hunde.

Einer, der besonderen Narren an Endor gefressen hat, ist der Junge – ich schätze, er ist etwa 12 Jahre alt – aus dem Haus von nebenan. Leider ist die Begeisterung (noch) nicht gegenseitig. Denn Kinder sind unserem Welpen mindestens so suspekt wie der Staubsauger. Der Nachbarsjunge lässt sich dadurch aber nicht entmutigen und fragt jedes Mal, wenn wir uns begegnen, ob er es probieren darf. Ich stimme immer gerne zu. Denn einerseits finde ich seine Geduld bewunderns- und belohnenswert, andererseits ist es für Endor ein gutes Training. Diese Woche feierten wir den Durchbruch: Endor frass dem Jungen zum ersten Mal aus der Hand.

Solche Zufallsbegegnungen ergeben sich in Begleitung des Hunds überall. Auf den kurzen Spaziergängen im Quartier genauso wie bei unseren Ausflügen in den Wald. Ich verstehe nun auch, wieso man Singles zu einem Hund rät. Nicht, dass ich dies für einen guten Grund halte, um sich einen anzuschaffen, aber eine einfachere Methode, um mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen, gibt es nicht. Das Endor ein hübscher Kerl ist, hilft sicher noch zusätzlich.

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Die Begegnungen mit Spaziergängerinnen – meistens  älteren Frauen – waren bisher immer sehr nett und ihr Interesse an meiner vierbeinigen Begleitung schien aufrichtig. Dass jemand Endor ohne zu fragen oder ohne von mir aufgefordert zu werden, einfach anfasste oder fütterte, habe ich bisher noch nicht erlebt. Zum Glück.

Anders sieht es bei den Begegnungen mit Hundehaltern aus. Mit ihnen haben mein Mann und ich uns schon einige Male angelegt. Der Grund: Viele scheinen nicht zu verstehen, dass wir nicht möchten, dass ihr fünf Mal so grosser und fünf Mal so schwerer Hund auf unseren Welpen zu prescht, wenn wir ihn an der Leine führen. Bittet man sie dann – wohlbemerkt freundlich – ihren Hund zurückzurufen und anzuleinen, ist ihre einzige Reaktion: «Der tut doch nichts.» Das mag in vielen Fällen sogar stimmen. Austesten möchte ich es aber nicht. Und da wir schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind wir halt etwas vorsichtig. Beruhigt uns ihre Beschwichtigung nicht und wiederholen wir unsere Bitte, ernten wir meist Unverständnis oder Vorwürfe. Und das selbst dort, wo allgemeine Leinenpflicht gilt, weil ein Schiessplatz in der Nähe ist. Aber um einen guten Freund zu zitieren: «Deppen gibt es überall.» Scheinbar auch unter den Hundehaltern.

Und wenn ich schon am Motzen bin: Wieso überall so viel Hundekot rumliegt, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. So schwer ist es doch echt nicht, dass man diesen einsammelt?

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es selbstverständlich auch viele Leute gibt, die von sich aus ihren Hund anleinen, wenn sie sehen, dass unserer an der Leine ist. Auch führen wir mit Hundehalterinnen und Hundehaltern immer wieder sehr nette Gespräche. Um welches Thema sich diese drehen, ist wohl klar.