Woche 11 mit Endor: Morgenspaziergänge im Wald und andere Glücksmomente

Bisher handelten die meisten Texte über meine Herausforderungen als Hundehalterin. Denn muss man wie ich, in diese Rolle hineinwachsen, läuft natürlich nicht immer alles rund. Neben den schwierigen Momenten gibt es aber auch die schönen, die harmonischen, die perfekten Augenblicke mit Endor. Zum Beispiel, wenn wir früh morgens zusammen im Wald unterwegs sind.

Frühaufsteher waren der Mann und ich bereits, bevor wir Endor hatten. Am Samstag und Sonntag ausschlafen? Überbewertet. Früher bedeutete dies, dass wir spätestens gegen 8.00 Uhr aus den Federn krochen, heute stehen wir noch eine Stunde früher auf. Denn die Bedeutung von Wochenende hat unser vierbeiniges Familienmitglied noch nicht verstanden. Kein Wunder. Es muss unter der Woche ja auch nicht arbeiten.

Das Ausschlafen den anderen zu überlassen, hat aber auch Vorteile. Dann in den frühen Morgenstunden gehört einem der Wald bei uns am Stadtrand fast allein. Seit einigen Wochen bedeutet das, dass Endor bei unserem Spaziergang freiläuft und für mich gibt es seither nichts Schöneres mehr.

Beim ersten Mal, als ich seine Leine abmachte, war das noch anders. Damals konnte ich kaum atmen und versicherte mich drei Mal beim Mann, ob er wirklich meine, dass dies eine gute Idee sei. Meine Angst, dass Endor türmt, sobald er kann, war natürlich unbegründet. Unser Welpe schätzt und nutzt zwar den grösseren Radius, aus den Augen und Ohren verliert er uns dabei aber nicht. Läuft er vor uns und bleiben wir stehen, dauert es nicht lang, bis er sich umdreht, um zu checken, was los ist.

Und noch besser: Rufen wir ihn, kommt er. Selbst dann, wenn seine Nase im Laub steckt oder er von uns weg rennt. Und mit jedem Mal, bei dem er mitten im Galoppsprung die Richtung wechselt, wächst mein Vertrauen in ihn und in uns als Team. Stolzer als in diesen Momenten bin ich nur selten auf unsere Fellnase.

Glücksmomente gibt es auch noch andere. Die meisten, während ich mit Endor trainiere und wir miteinander erfolgreich sind: Ich im Geben der Kommandos und er im Ausführen. Mindestens so schön, finde ich es, mit dem Kleinen zu kuscheln. Denn es ist noch nicht lange her, war das undenkbar. Wollte ich schmusen, wollte er spielen; am liebsten mit seinen Zähnen und meinen Fingern. Unterdessen ist das anders. Wenn ich mich abends zu ihm setze, geniesst er es – zumindest macht es den Eindruck –, sich von mir streicheln zu lassen. Legt er sich dann, mit einem seiner Kuscheltiere in der Schnauze, auf meinen Schoss, geht mir das Herz auf. Immer und immer wieder von Neuem.