Küchenfenster und Tisch

Wieso ich seit einem Monat von Gemüsestrudel träume

Vor einigen Wochen bin ich umgezogen. Meinen Partner liess ich am alten Wohnort zurück. Nicht weil wir uns trennten, sondern weil es die Umstände erforderten. Ich lebe also in einer neuen Stadt. Alleine. In einer Ein-Zimmer-Wohnung. Mein neues kleines Reich mag ich sehr: Es ist hell, schön eingerichtet und an einer guten Lage. Es, besser gesagt seine Küche, hat aber einen Makel: Sie hat keinen Backofen. Man würde meinen, darüber könne man ohne Schwierigkeiten hinwegsehen. Man kann dies vielleicht. Ich nicht.

Seit ich hier wohne, tagträume ich von Ofen-Gerichten: Von Gemüsestrudel, Quiche, Hackfleisch-Auflauf, niedergegarten Steaks und Flammkuchen. Ich könnte diese Liste lange fortführen. Denn ich habe noch nie so oft über Speisen nachgedacht, die sich nur im Backofen zubereiten lassen wie im letzten Monat. Als ich noch einen Backofen hatte, habe ich diesen zwar häufig, aber niemals täglich benutzt. Seit ich keinen mehr habe, erfordert nun aber jede einzelne meiner Rezeptideen einen Ofen.

Mein Problem illustriert: Das, was man nicht hat, will man umso mehr. Für die Schweizer: Kennt ihr das Kinderlied «De Hansdampf im Schnäggeloch»? Der Klassiker: Frauen mit Locken wünschen sich gerades Haar und Brünetten wären lieber Blondinen. Man könnte akzeptieren, was die eigenen Gene diktieren. Muss man aber nicht und so kommen Chemie und Streckeisen zum Einsatz. Ich nehme mich da nicht aus: Ich weiss nicht, in welchem Jahr mein Haar das letzte Mal von der Wurzel bis in die Spitze seine natürliche Farbe trug.

Auch die Situation mit dem fehlenden Backofen liesse sich lösen: Ein Besuch im Elektronikladen und einigen hundert Franken würden es richten. Ich habe mich aber dagegen entschieden. Mit knapp 30 Jahren, sollt ich doch in der Lage sein, mich einmal mit dem zu begnügen, was ich habe? Ich mache also aus der Not eine Tugend und hoffe dabei eine Lektion fürs Leben zu lernen.

Insgeheimen vermisse ich meinen Backofen aber trotzdem; fast mehr als meinen Partner. Denn mein Mann kommt mich wenigstens an den Wochenenden besuchen.

    • Vielen Dank, liebe Corinne. So viel gibt es ja aktuell noch nicht zu lesen. Ich bin überigens eine „alte“ Bekannte. Früher habe ich auf „Splitter von Glück“ geschrieben.

  • Na, da wartet man bei den Glückssplittern wann denn mal was neues kommt und muss dann entdecken, dass sie sich in Sammelsurien verwandelt haben. Schön dich wiedergefunden zu haben und schöner neuer Blog!
    Und falls der fehlende Backofen doch noch unerträglich wird, tuts für viele Sachen auch eine Mikrowelle mit Backofenfunktion 😉

    • Manchmal muss man einen Neuanfang wagen. Auch wenn im Online-Kosmos Beständigkeit eigentlich stärker honoriert wird. Es freut mich aber sehr, dass du hierher gefunden hast. Und natürich lese ich auch gerne, dass dir mein neuer Auftritt gefällt.

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