DSC00379 2_1

Gedanken übers Wandern auf dem Prättigauer Höhenweg

4 Tage, 53 Kilometer und 2500 Höhenmeter – den  Prättigauer Höhenweg in Zahlen zusammenzufassen, ist einfach. Für das Erlebnis in den Bergen treffende Worte zu finden, hingegen umso schwieriger.


Die Berge und ich – das war nicht Liebe auf den ersten Blick. Eigentlich war es genau das Gegenteil. Als Kind mochte ich sie nicht. Denn in den Bergen zu sein, bedeutete in meiner Familie zu wandern. Und zu wandern bedeutete, bergaufwärts zu laufen. Und bergaufwärts zu laufen, war mir ein Greuel. Wieso sollte ich Schweisstropfen vergiessen, um nur wieder dort anzukommen, wo ich am Morgen gestartet bin? Mein 8-jähriges Ich wusste darauf keine Antwort und zu verstehen, dass die Aussage «der Weg ist das Ziel» mehr als nur eine Floskel ist, dauerte bei mir lange – etwa 20 Jahren.

Heute bin ich die, die als Erste aufspringt, wenn jemand eine Wanderung vorschlägt. Und für mich gibt es fast nichts Schöneres, als mehrere Tage am Stück durch die Berge zu marschieren – da soll noch jemand behaupten, Menschen können sich nicht ändern. Diesen Sommer nahm ich deshalb den Prättigauer Höhenweg unter die Wanderschuhe, eine Mehrtagestour von Klosters durch den Rätikon bis nach Malans.

Ich genoss die Ruhe, den starren Tagesrhythmus, die Befreieung von Entscheidungen. Das klingt wie Plattitüden, weil es auch welche sind. Denn heute habe ich ein neues Problem: Ich bin so gerne in den Bergen, dass ich das Gefühl nicht in Worte fassen kann. Es ist zu gross, zu vielschichtig, zu umfassend.

Hätte ich also die Möglichkeit, mit meinem 8-jährigen Ich ein Gespräch zu führen, ich könnte es nicht überzeugen, wieso wandern Sinn ergibt. Ich würde nur sagen: «Wenn du älter bist, wirst du es verstehen.» Und ich weiss: Mein 8-jähriges Ich würde mich dafür hassen. Denn wenn es etwas noch weniger mochte, als bergaufwärts zu laufen, dann waren es diese Worte.

 

 

DSC09948

Auf der ersten Etappe von der Madrisa nach St. Antönien passiert man den höchsten Punkt der Tour, das Jägglisch Horn.

DSC09960

Mein speziellster Bergfund: Teil eines Murmeltierschädels.

DSC09971

In Graubünden gibt es viele schöne Bergdörfer. Eines von ihnen ist St.Antönien im Prättigau.

DSC00056

Die zweite Etappe von St. Antönien zur Carschinahütte ist mit weniger als vier Stunden Gehzeit kurz. Da bleibt Zeit für eine lange Mittagspause im Berghaus Sulzfluh (sehr empfehlenswert). Wir probierten die Prättigauer Spezialität Chäsgetschäder. Fazit: Sieht komisch aus, schmeckt aber lecker.

DSC00084

Weitsicht auf der Carschinahütte, das Ziel der zweiten Tagesetappe.

DSC00088

DSC00098

Abendprogramm auf der Carschinahütte: Sonnenuntergang kucken.

DSC00120

Am dritten Tag gibt es das Filet-Stück der Mehrtagestour: die Etappe von der Carschina- zur Schesaplanahütte.

DSC00139

DSC00145

Schöne Bergsee gibt es nicht nur in Graubünden. Dieser heisst Lünersee und liegt in Österreich.

DSC00166

Wohlverdiente Stärkung auf der Schesaplanahütte nach einer langen Wanderung.

DSC00199

Abendstimmung auf der Schesaplanahütte: Diese Momente sind der Grund, wieso ich Mehrtagestouren und Übernachtungen in den Berge liebe.

Am letzten Tag wanderten wir von der Schesaplanahütte auf das Malanser Älpli, von wo aus wir die Abkürzung mit der Seilbahn zurück ins Tal nahmen. Von dieser Etappe habe ich keine guten Bilder. Wieso, weiss ich nicht. Denn gefallen hat mir die Wanderung, auch wenn die letzten Kilometer und Höhenmeter zäher waren als sonst.