Art. 8

Mann und Frau sind gleichberechtigt – aber nur im Prinzip

«Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» So steht es in der Schweizer Bundesverfassung. Genau: im Artikel 8, Abschnitt 3. Und das seit über 20 Jahren. In der Realität angekommen, ist dieser Paragraph – leider – trotzdem noch nicht. Hier einige Zahlen:

1. Von wegen Lohn-Gleichheit: Frauen verdienen im Schnitt über 20 Prozent oder CHF 1600 pro Monat weniger als Männer. Und in fast der Hälfte der Fälle kann man dies nicht erklären – ausser mit dem Geschlecht.

2. Weniger als ein Drittel der Schweizer Parlamentarier sind weiblich. Das ist keine repräsentative Vertretung der Schweizer Bevölkerung. Denn diese besteht zu 50,4 Prozent aus Frauen.

3. Wir pflegen immer noch eine traditionelle Rollenverteilung: Nach der Geburt eines Kindes hören drei Viertel aller Frauen auf zu arbeiten oder reduzieren ihr Pensum. Bei den Männern sind es 15 Prozent.

4. Apropos antiquierte Geschlechterrollen: Die Hausarbeit ist häufiger Frauen-, als Männersache. Und das auch bevor Paare Kinder haben. In den 2-Personen-Haushalt investieren Frauen im Durchschnitt 19,2 Stunden, Männer 15,5 Stunden pro Woche.

5. Der Chef bleibt ein Mann: Der Frauenanteil in Unternehmensleitungen beträgt etwas mehr als ein Drittel. In den Verwaltungsräten sind nur 16 von 100 Mitgliedern weiblich. Und die Situation im Bildungswesen ist ähnlich: Nur jede fünfte Professoren-Stelle hat eine Frau inne.


Nichtsdestotrotz: Unsere Mütter, unsere Grossmütter haben viel erreicht. Ihnen verdanken wir, dass wir seit 1971 stimmen und wählen dürfen. Dass 1988 ein Eherecht in Kraft trat, dass Frau und Mann gleichstellt. Und dass es den Artikel 8 zur Gleichberechtigung gibt. Der Weg, bis das, was auf dem Papier steht – dieses ist bekanntlich geduldig –, auch umgesetzt wird, ist aber noch weit. Ihr Kampf noch lange nicht beendet. Und es ist jetzt der Unsere geworden.

Denn wir sind es, die Kind und Karriere – im Gegensatz zu unseren Partnern – nur schwer vereinbaren können.

Wir sind es, die in den Gremien, die unser Land lenken, untervertreten sind.

Wir sind es, die noch zu oft an unserem Aussehen und nicht unseren Fähigkeiten gemessen werden.


Ich bin Realistin. Ich weiss, dass wir die über Jahrhunderte gezüchtet Ungleichberechtigung der Geschlechter nicht von heute auf morgen aufheben können. Aber ich bin auch Idealistin. Und deshalb kämpfe ich dafür, dass wir es eines Tages schaffen. Und dafür, dass meine Töchter und auch meine Söhne, die ich hoffentlich einmal haben werde, in einer gerechteren Welt aufwachsen.

Der Kampf muss in den eigenen Vier-Wänden, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit ausgefochten werden. Manchmal muss er laut und manchmal leise geführt werden. Nur verstummen dürfen wir nicht.

Für den stillen Protest – seine Stimme zu erheben, ist nicht jedermanns jederfraus Sache – gibt es nun ein unaufdringliches Mittel: Eine Tasche, die ein Zeichen für den Artikel 8 zur Gleichberechtigung aller – nicht nur die von Frau und Mann – setzt. «Sie ist uns gleichzeitig Erinnerung, dass nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch das Gesetz auf der Seite all derer ist, für die Gleichberechtigung selbstverständlich ist», so der Designer – ja, es ist ein Mann – der Tasche.

Ich werde sie mit Stolz tragen. Und ihr?

Die aufgeführten Zahlen können alle beim Bundesamt für Statistik nachgelesen werden.

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