Sonnenaufgang auf dem Piton de Maïdo, La Réunion

Die Insel, auf der es nie geradeaus geht

«Auf La Réunion geht es entweder bergauf oder bergab», warnte mich ein Freund vor meinem Urlaub. Verstanden habe ich seine Aussage schon damals. Gelernt, was sie bedeutet, aber erst nach den ersten Tagen auf der Insel und den ersten Wanderungen über steile Pfade.

La Réunion ist ein winziger Fleck Land im indischen Ozean, gelegen zwischen Madagaskar und Mauritius. Für die Schweizer: Seine bescheidene Fläche entspricht etwa derjenigen des Kantons St. Gallen. Für alle anderen: Mit dem Auto könnte man die Insel in vier Stunden umrunden. Imposant hingegen sind die Höhenunterschiede: Der höchste Gipfel, der Piton des Neiges, liegt auf 3070 m ü. M.

Wanderweg, Cirque de Mafate, La Réunion

In den drei Wochen, die wir auf der Insel verbrachten, war es dann wie von meinem Freund angekündigt: Wir liefen steil bergauf oder steil bergab. Nur geradeaus ging es fast nie. Verteilt auf 17 Wanderungen bewältigten wir über 9000 Höhenmeter. Zum Vergleich: Das sind mehr, als wenn man von Meereshöhe auf den Mount Everest steigen würde.

Und auch wenn es manchmal anstrengend war und wir literweise schwitzten, mir und meinem Mann gefiel es: Die Pfade waren interessant und oft anspruchsvoll; die Landschaften – vom dichtesten Urwald bis zur vulkanischen Steinwüste – wunderschön und abwechslungsreich.

Wanderschuhe

Da Wandern und Fotografieren nicht gut zusammenpasst, bin ich mit einer untypisch leeren Speicherkarte heimgekehrt. Für ein ganzes Album wird es zum ersten Mal nicht reichen. Das finde ich schade. Gleichzeitig war es überraschend entspannt, La Réunion einfach zu geniessen und nicht permanent auf der Suche nach dem nächsten guten Bild zu sein. Auch das ein Novum.


Einige Aufnahmen, die mir gefallen, sind trotzdem entstanden. Im Folgenden eine Auswahl – nicht der schönsten Bilder, sondern derjenigen, die meinen Urlaub auf La Réunion am besten zusammenfassen:

Wasserfall le Voile de la Mariée, Grand Bassin, La Réunion

Wie aus dem Bilderbuch: Wasserfall Voile de la Mariée im Grand Bassin.

Koiteich, Marla, Cirque de Mafate, La Réunion

Koiteich in der Miellerie de Marla, eine der Unterkünfte unseres Mehrtagestrekkings im Cirque de Mafate.

Wanderung in den Wolken auf dem Pas des Sables, La Réunion

Wenn die Wolken die Landschaft verschlucken – beobachtet während eines Spaziergangs auf dem Pas des Sables.

Kelonia, La Réunion

Kélonia – früher eine Schildkrötenfarm, heute ein Museum und eine Auffangstation – besuchten wir nur, weil das Wetter schlecht war. Zum Glück: Dieser Ausflug mauserte sich zu einem der Höhepunkte unseres Urlaubs. Ich hätte den Meeresschildkröten stundenlang zuschauen können, wie sie durchs Wasser schwebten.

Hell-bourg, Cirque de Salazie, La Réunion

Blick auf Hell-Bourg auf dem Rückweg vom Wasserfall Trou de Fer.

Granadilla, La Réunion

Diese Frucht sieht aus wie eine Maracuja, schmeckt aber anders und heisst Grenadilla.

Kröte, Cirque de Cilaos, La Réunion

Genauso wenig einheimisch wie wir, sind die vielen Kröten auf La Réunion. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts aus Südafrika eingeführt, um Zuckerrohrschädlinge zu bekämpfen.

Roche-Plate, Cirque de Mafate, La Réunion

Bei diesem Ausblick auf den Cirque de Mafate versteht man, wieso die Wanderwege auf La Réunion nur bergauf oder bergab führen können.

Gite de Cayenne, Cirque de Mafate, La Réunion

Die Berghütten – oder auf Französisch «Gîtes» – auf La Réunion sehen anders aus als in den Alpen, der Aufenthalt spielt sich aber genau gleich ab: Man kommt an, hüpft unter die Dusche, hängt die verschwitzen Wanderkleider zum Trocknen auf, vertrödelt den Rest des Nachmittags, isst, geht schlafen, packt den Rucksack und wandert weiter.

Katzen, Trois Roches, Cirque de Mafate, La Réunion

Begegnung mit verwilderten Katzen bei Trois Roches während unseres Mehrtagestrekkings im Cirque de Mafate.

Vanille, Suchergebnisse Ergebnisse zu Karten Karte von Coopérative de Vanille, Réunion Coopérative de Vanille Réunion Webergebnisse Coopérative de Vanille de Bras Panon, La Réunion

Nach der Führung durch die Vanille-Kooperative in Bras-Panon verstehe ich nun, wieso dieses Gewürz so teuer ist: Jede Blüte muss von Hand bestäubt werden, da die Bienen, die in Mexiko diese Aufgabe übernehmen, sich auf La Réunion nicht ansiedeln lassen. Bis die Schoten reif sind und geerntet werden können, dauert es ein dreiviertel Jahr. Die Fermentierung und Trocknung nehmen dann nochmals mehrere Monate in Anspruch.

Wie unsere meisten Urlaube haben wir auch diesen nicht allein geplant. Unterstützt hat uns Brigitte Monat und ihr Team. Die Münchnerin, die seit zwölf Jahren auf La Réunion lebt, kennt die charmantesten Unterkünfte der Insel und hat für uns ein grossartiges Reiseprogramm zusammengestellt.